Simulation praktischer Ausbildungsinhalte (Krankenhaus) als Ergänzung in der NFS-Ausbildung
Seit der Ergänzung des Notfallsanitätergesetzes sowie der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung durch den Gesetzgeber, die Pädiatrie, Geburtshilfe, Anästhesie und Intensivmedizin als Inhalte der praktischen Ausbildung im Rahmen von Simulation zuzulassen und zu ergänzen, hat die DRK Landesschule Baden-Württemberg diese Erweiterungen erfolgreich in ihre Ausbildungsprogramme integriert. Seit 2018 wurden diese neuen Ausbildungsinhalte an der DRK Landesschule am Standort in Villingen-Schwenningen erprobt und in den Ausbildungsalltag der Notfallsanitäterauszubildenden nachhaltig überführt.

Hintergrund und Ziele:
Die Ergänzungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen eröffneten Notfallsanitäterschulen die Möglichkeit, Simulationen für praxisnahe Inhalte in Bereichen einzusetzen, die in der Präklinik selten vorkommen, aber von hoher Relevanz sind. Ziel der Integration dieser neuen Ausbildungsformaten an DRK Landesschule war es:
- Handlungssicherheit in komplexen Situationen wie pädiatrischen Notfällen und geburtshilflichen Komplikationen zu fördern.
- Praktische Erfahrungen in Anästhesie und Intensivmedizin praxisnah und realitätsgetreu zu vermitteln, um die Schülerinnen und Schüler auf ihre spätere Tätigkeit als Notfallsanitäter vorzubereiten.
- Simulation als zentrale Methode der praktischen Ausbildung zu etablieren, um auch seltene und kritische Szenarien realitätsnah trainieren zu können.
Projektumsetzung:
Ab 2018 wurden spezifische Simulationsszenarien entwickelt, die auf die neuen Ausbildungsinhalte zugeschnitten waren. Die Umsetzung erfolgte in mehreren Schritten:
- Entwicklung der Inhalte: Szenarien zu Themen wie neonataler Reanimation, geburtshilflichen Notfällen, Atemwegsmanagement und Intensivüberwachung wurden erarbeitet.
- Schulung der Lehrkräfte und Zusammenarbeit mit Fachärzten aus dem Schwarzwald-Baar Klinikum: Die Lehrkräfte der DRK Landesschule wurden durch spezifische Fortbildungen befähigt, simulationsbasierte Trainings in diesen neuen Themenbereichen durchzuführen. Darüber hinaus brachten und bringen sich Fachärzte aus den Bereichen Neonatologie, Anästhesie- und Intensivmedizin, sowie der Notaufnahme in die Kurssysteme mit ein.
- Pilotphase: Die Szenarien wurden in kleinen Gruppen getestet und anhand von Feedback und Evaluation weiter optimiert.
Integration in den Alltag: Ab 2019 wurden die Szenarien in den regulären Ausbildungsbetrieb übernommen und systematisch in das Portfolio der DRK Landesschule integriert.

Ergebnisse und Erfolge:
- Ausweitung der praktischen Ausbildung: Pädiatrische und geburtshilfliche Inhalte sowie Aspekte der Anästhesie und Intensivmedizin wurden durch Simulation umfassend in die Ausbildung eingebunden. Die neuen Formate dienen nicht als Ersatz der praktischen Ausbildung im Krankenhaus. Vielmehr werden sie als Ergänzung angesehen.
- Verbesserte Handlungskompetenz: Die Auszubildenden berichteten von einem deutlichen Zugewinn an Sicherheit im Umgang mit komplexen und seltenen Notfallsituationen und insbesondere in der Herangehensweise an geburtshilfliche und pädiatrische Notfallsituationen.
- Nachhaltige Lernmethoden: Simulationen ermöglichten es, kritische Situationen realitätsnah und ohne Risiko für Patienten zu üben.
- Stärkung der Lehrkompetenzen: Die Lehrkräfte der DRK Landesschule wurden zu Spezialisten in der Vermittlung dieser Inhalte durch simulationsbasiertes Lernen.

Besondere Merkmale:
- Praxisnahe Szenarien: Die Szenarien sind auf die Bedürfnisse des präklinischen Alltags zugeschnitten, wie z. B. neonatale Reanimation, Notfallkaiserschnitte und Atemwegsmanagement.
- Innovative Lehrmethoden: Die Kombination aus hochmoderner Simulationstechnik, strukturierten Nachbesprechungen (Debriefings) und kompetenzorientierter Didaktik führte zu nachhaltigen Lernerfolgen.
- Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Die Erstellung der Szenarien sowie das Kurskonzept profitieren von der Zusammenarbeit mit Fachkräften aus den Bereichen Pädiatrie, Geburtshilfe, Anästhesie und Intensivmedizin.
Fazit:
Die Integration der neuen Ausbildungsinhalte in den Bereichen Pädiatrie, Geburtshilfe, Anästhesie und Intensivmedizin durch simulationsbasiertes Lernen war ein wegweisendes Projekt an der DRK Landesschule Baden-Württemberg. Es hat gezeigt, wie Simulationen die Qualität der Notfallsanitäterausbildung nachhaltig verbessern können. Durch die praxisnahe Vermittlung komplexer und seltener Szenarien wurde nicht nur die Handlungssicherheit der Auszubildenden gestärkt, sondern auch ein neuer Standard für die praktische Ausbildung in der Notfallsanitäterausbildung gesetzt. Dieses Projekt unterstreicht den Stellenwert der Simulation als unverzichtbares Werkzeug in der modernen Rettungsdienstausbildung.
Links und weiterführende Informationen:
https://www.drk-ls.de/die-landesschule/simulation/klinische-simulation.html